Die Gartenmelde (Atriplex hortensis) ist eine alte Kultursorte, die sich früher im Garten sehr beliebt war.

Anleitung zur Saatgutvermehrung

Ein kurzer Überblick

Es gibt unterschiedliche Gründe, sich mit der Saatgutvermehrung zu beschäftigen. Zum einen, weil man für den Eigenbedarf die leckere Tomatensorten wieder anbauen möchte. Zum anderen aber auch, weil es einem wichtig ist, Sorten von traditionellem samenfestem Saatgut gezielt weiter zu vermehren. Im ersten Fall nimmt man einfach die Samen der Pflanze, legt sie in die Erde und wartet, ob sie aufgehen und es wieder die gewünschte Art ist. Dabei kann man auch schon einmal Überraschungen erleben.

Grundprinzipien für die gezielte Saatgutvermehrung

Für die Saatgutvermehrung nur samenfestes Saatgut aus bekannter Herkunft und mit Sortenkennzeichnung nutzen. Sollte die Sorte nicht bekannt sein, dann zumindest immer die Herkunft notieren.

Es ist bei der Erstellung des Pflanzplans notwendig zu wissen, ob die Art ein- oder zweijährig ist, ob sie selbst- oder fremdbefruchtend ist, aus welcher Gattung sie stammt und welche Arten sich einkreuzen könnten. Bohnen und Tomaten sind zum Beispiel selbstbefruchtend. Fliegen jedoch zur Blütezeit viele Hummeln, kann es auch zu Fremdbestäubung mit anderen Sorten der gleichen Art kommen. Mangold und Rote Bete sind eine Art mit zwei Unterarten. Hier kommt es sicher zu Fremdbestäubung. Da sie jedoch zweijährig sind, ist es hier sinnvoll, jedes Jahr nur eine Unterart in Blüte gehen zu lassen und zu vermehren. Nachbargärten sollten grundsätzlich in die Pflanzplanung mit einbezogen werden, sofern dort ebenfalls vermehrt wird.

Grundsätzlich sollte ein Teil des Saatguts als Referenzmuster und ein Teil als Reserve, falls in einem Jahr die Witterung zur Vermehrung nicht mitspielt, fachgerecht und gut beschriftet eingelagert werden.

Kornrade und Dinkel

Immer mehrere Pflanzen anbauen

Für die Saatgutvermehrung immer mehrere Pflanzen anbauen. Mindestens 3-5, besser 10 gesunde, kräftige Pflanzen. Diese Pflanzen werden während des gesamten Wachstums immer wieder begutachtet. Nicht der Sortenbeschreibung entsprechende oder stark anfällige und kranke Pflanzen dabei sofort aussondern. Bei Salat und anderen Blattgemüsen zum Beispiel, wenn die Blattform nicht der Sorte entspricht, die Pflanzen mickrig bleiben oder zu schnell einen Blütenstand bilden (Schoßfestigkeit). Bei Fruchtgemüsen wie Tomaten wiederum ist es wichtig, dass zeitnah ein Blütenstand beginnt, damit die Früchte noch vor Ende des Sommers ausreifen können. Sehr mickrige oder schlechte Pflanzen vorzeitig entfernen, um eine Einkreuzung zu verhindern.

Eine Auswahl treffen

Während der Wachstumsphase sollten die besten Pflanzen, Samen oder Früchte gekennzeichnet werden (Blühtermin, Fruchtgröße, Fruchtform, Geschmack). Das Saatgut sollte immer an der Pflanze komplett reifen und trocknen werden. Ausnahme sind hier die Fruchtgemüse, die vollausgereift geerntet werden. Die Ernte sollte an sonnigen, trockenen Tagen erfolgen, um Schimmelbildung des Saatguts zu vermeiden. Die Saatstände lassen sich gut in Leinenbeuteln oder Papiertüten sammeln und nachtrocknen. Sofort mit Namen beschriften. Später das Saatgut döppen und die Spreu entfernt. Nochmals nachtrocknen lassen Auch hier wieder sofort beschriften!

Dunkel und kühl lagern

In dunklen Gläsern kühl (möglichst 2-7°Celsius) und trocken lagern. Beschriftet mit Art/Sorte, Erntejahr. Quintessenz: Solange Saatgut nur für den Eigenbedarf vermehrt wird, ist es nicht zwingend notwendig, zu wissen wo es herkommt, ob es Einkreuzungen gab etc. Bei gezieltem Sortenerhalt ist sorgfältige Planung und Arbeit wichtig. Mindestens drei Fruchtfolgen sind nötig, um sich sicher zu sein, dass es eine samenfeste Sorte ohne weitere Einkreuzung ist, die sich ohne Probleme vermehren lässt.

Literaturempfehlungen

Heistinger, Andrea / Arche Noah / ProSpecie Rara: Handbuch Samengärtnerei. Sorten erhalten. Vielfalt vermehren. Gemüse genießen. Löwenzahn Verlag 2003.
ISBN: 978-3-7066-23520

Ortner, Marlies: Saatgut aus dem Hausgarten. Blumen-, Kräuter- und Gemüsesamen selbst gewinnen. Ökobuch 2010.
ISBN: 9783936896534

Weiterführende Informationen

Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.
Verein zur Erhaltung und Rekultivierung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.
Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e. V.

Bildquelle

  • Kornrade und Dinkel: Brigitte Bornmann-Lemm
  • Saatgut-Kichererbse: Brigitte Bornmann-Lemm
  • Saatgut Melde (Atriplex-hortensis): Brigitte Bornmann-Lemm
  • Saatgut Buschbohnen DELINEL: Brigitte Bornmann-Lemm
  • Jungfer im Grünen (Nigella damascena): Brigitte Bornmann-Lemm
  • Saatgut der Gartenmelde: Brigitte Bornmann-Lemm

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